Oevenum

Oevenum,
Alte Dorfschule in Oevenum auf Föhr

Damals hatte fast jedes Dorf auf der Insel Föhr seine eigene Dorfschule. So gab es einst auch in Oevenum eine Dorfschule. Zuvor aber bestand seit 1672 eine Dörfergemeinschaftsschule der Dörfer Alkersum, Midlum und Oevenum. Im Jahre 1707 trennte sich Oevenum von dieser Gemeinschaftsschule und errichtete sein eigenes Schulhaus an der Dorfstraße inmitten des Ortes, gegenüber dem Dorfplatz und dem Oevenumer Krog, dem heutigen „Krögers Dörpskrog“. Unterrichtet wurden die aus dem Dorfe stammenden Jungen und Mädchen von der ersten bis zur achten Klasse.

Im Laufe der Jahre wurden an der Schule bauliche Veränderungen vorgenommen, bis sie eines Tages komplett neu aufgebaut wurde. Das war, wie aus der Jahreszahl, die im Mauerwerk eingelassen ist, 1853. Das Dachgeschoß wurde, wie üblich, nicht ausgebaut, denn diesen Platz behielt man sich für die Lagerung von Heu u. ä. für die eigenen Tiere vor. Im Jahre 1956 errichtete man erneut eine Gemeinschaftsschule und zwar wieder in Midlum. Hier gingen nun die Schüler der Gemeinden Alkersum, Midlum und Oevenum zur Schule. Anfangs (1956 bis 1975) bis zur achten Klasse, später (1977 bis 1988) nur noch bis zur vierten.

In dem Jahr 1956 ging die Oevenumer Dorfschule von der öffentlichen Hand über in das Privateigentum einer Föhrer Familie. Heißt, die nun ehemalige Schule wurde von der Gemeinde verkauft. Die neuen Eigentümer bauten es in zwei Wohneinheiten um. Das war sogar recht einfach, denn die Schule hatte damals nur zwei Klassenräume. In dem einen wurden die Schüler von der ersten bis zur vierten, in dem anderen von der fünften bis zur achten Klasse unterrichtet. Und somit ergab sich, daß die neuen Eigentümer den einen Flügel selbst bewohnten während der andere der Mutter/Schwiegermutter als Wohnraum diente. Um die Jahrtausendwende wurde das Haus an Auswärtige verkauft. Die nutzen es heute als Ferienhaus und vermieten es auch an Gäste.

Zu sehen ist heute noch die Schulglocke auf dem Dach des Gebäudes. Diente sie einst der strengen Einhaltung der Pausenzeiten, wird sie heute geläutet, wenn ein Oevenumer Gemeindemitglied verstorben ist. Auf dem Weg der Überführung zum Friedhof fährt der Bestatter mit seinem Leichenwagen an der ehemaligen Dorfschule vorbei. In dem Moment, wenn der Leichenwagen vorüber fährt, läutet ein Angestellter der Gemeinde die alte Schulglocke. Diese Tradition hält bis heute noch an. Und es ist egal, wo der Verstorbene in dem Ort zuletzt gelebt hatte, es geht stets der Weg vorbei an der ehemaligen Dorfschule mit seiner dann läutenden Glocke.
Datenquelle: Geschichte und Geschichten eines Föhrer Dorfes Oevenum, Herausgeber: Laura Rasmussen

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